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Chapter 1 Part 1

 

Es war noch früh am Morgen, die Dämmerung würde bald einsetzen, als sich Rakim mit seinem Freund Takuma am Rande des Elfendorfes Radanar traf. „Da bist du ja endlich, Rakim. Ich dachte schon, du hast schiss, weil du so spät bist.“ „Halt die Klappe, Takuma. Irgendwann wird dir deine Zunge noch zum Verhängnis.“ „Oh, muss ich jetzt Angst haben?“ „Lass den Schwachsinn, dafür haben wir keine Zeit. Ich hoffe, du hast wenigstens deinen Bogen dabei …“ „Klar hab ich den mitgenommen.“, erwiderte Takuma und klopfte sich an die rechte Hüfte, wo ein Köcher mit mindestens drei Dutzend Elfenpfeilen hing. „Und du Rakim?“ „Ich hab mein Schwert dabei und ein halbes Dutzend Wurfmesser eingesteckt. Lass uns losgehen.“ „Wo willst du jetzt eigentlich wieder hin?“ „Ich will mir etwas ansehen gehen. Am Rande des Faraelgebirges, da hab ich etwas entdeckt. Los jetzt!“ Rakim schritt voran, auf die hohen Gipfel zu, die sein Dorf vor vielen Gefahren schützte.

Verdammt, Rakim. Mach mal langsam, ich kann nicht mehr. Wir laufen schon seit zwei Stunden.“, japste Takuma, an einem Felsen gelehnt stehend. „Wenns sein muss. Wir haben es zwar nicht mehr weit, aber na gut, legen wir ne kleine Rast ein.“ „Danke, Rakim. Ich kipp sonst um. Du bist der bessere Läufer von uns. Du rennst ja des Öfteren durchs Gebirge, auch ohne mich!“ „Du wurdest ja zum Jäger ausgebildet, ich zu einem Krieger in schwerer Rüstung, vergiss das nicht. Das ist der kleine Unterschied zwischen uns. Durch das Laufen in der schweren Rüstung bekommst du eine bessere Kondition.“ „Angeber. Lern du erstmal richtig mit Pfeil und Bogen umzugehen. Ohne uns Jäger müsstet ihr euch komplett mit Pflanzen ernähren und im Krieg werden wir als Bogenschützen zu Fuß oder zu Pferde eingesetzt.“ „Ja, ich hab es verstanden. Können wir jetzt bitte weiter?“

Von mir aus.“ „Was ist denn das für ein Spalt? Der war das letzte Mal noch nicht da.“ „Sei vorsichtig, Rakim. Wer weiß, was darin ist? Bring uns nicht unnötig in Gefahr.“ „Ich geh da rein, ich muss mir das ansehen. Keine Panik, ich hab mein Amulett der Tierform dabei, ich werde es benutzen, um das Innere besser erkunden zu können. Bleib du hier.“ Rakim kramte in seinem Rucksack herum, fand wonach er suchte, hängte sich das Amulett um den Hals, ein greller Lichtblitz und vor Takuma stand an Stelle Rakims ein Luchs. Dieser tapste auf den Spalt zu und verschwand darin, Takuma nahm Rakims Rucksack und ließ sich auf einem niedrigen Felsen nieder, den Bogen griffbereit an dem Felsen lehnend.

>Was zum Teufel ist DAS denn? <, dachte Rakim, als er sich einer am Boden liegenden Kreatur näherte. Der Geruch verriet ihm nur, dass dieses Etwas noch leben musste, aber nicht, was es war. Vorsichtig, Schritt für Schritt näherte sich Rakim der Gestalt. >Toll, lebendig ist es ja noch, nur wieso liegt es dann hier? Ein Wolf hat doch eigentlich im Gebirge nichts verloren, der gehört doch in die Wälder Pargas! Egal, ich zieh ihn erstmal hier raus. Draußen kommt er vielleicht wieder zu sich.< Sacht packte Rakim den bewusstlosen Wolf im Rücken und zerrte ihn langsam zum Eingang zurück. Das Licht des Tages blendete Rakim für ein paar Augenblicke, da es in diesem Felsspalt, der in einen größeren Hohlraum führte stockfinster war. Takuma, der auf dem Felsen gegenüber des Eingangs saß, sprang auf. Ein kurzer Lichtblitz ließ Takuma stehen bleiben und Rakim stand jetzt wieder in seiner humanoiden Gestalt da. „Den hab ich tief im Inneren gefunden. Kannst du den wieder fit machen?“ „Hm, gute Frage. Probieren kann ich es ja mal.“ Takuma trat näher an den Wolf heran und untersuchte ihn, auf irgendwelche Verletzungen. „Äußerlich hat er keine Verletzungen, möglicherweise braucht er Wasser und etwas Futter. Ansonsten könnte ich es mal mit Magie versuchen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er mir dass übel nimmt, wenn ich in seinen Verstand eindringe um ihn zu fragen, was ihm fehlt.“ „Versuch es, Takuma. Wenn wir ihm so helfen können, tu es!“ „Rakim, du verstehst nicht! Ich kann ihn und mich in Gefahr bringen, wenn er es nicht zulässt.“ „Wir müssen ihm aber helfen! Sonst brechen wir den Kodex, den wir von dem Lebensstrom, der diesen Planeten durchdringt, erhalten haben, den es einzuhalten gilt, sonst bricht alles in sich zusammen, vor allem das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse.“ „Ich weiß, die Tiere gingen den gleichen Kodex ein, aber manche wollen nicht, dass man in ihren Verstand, in ihr Innerstes eindringt.“ Takuma strich vorsichtig über den Rücken des Wolfs, um zu prüfen, ob ihm vielleicht die Wirbelsäule gebrochen war. Auf einen Bruch wies nichts hin. Takuma seufzte leise: „Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Ich muss es versuchen.“ Rakim trat einige Schritte von Takuma und dem Wolf fort, um Takuma beim Wirken der Magie nicht zu stören. Magie besaß ein solch sensibles Gleichgewicht, das leicht zu brechen war. Takuma erhob sich so plötzlich, dass Rakim erschrak und einen weiteren Schritt zurückwich. „Und, was fehlt ihm?“ „Es ist nichts Schlimmes. Wir nehmen ihn aber besser mit ins Dorf, dort kann ich mich besser um ihn kümmern.“ „Immer ich…“, seufzte Rakim leise, aktivierte sein Amulett und wurde von dessen Magie verschlungen, die seinen Körper in den eines Skaals umformte. „Woha! Rakim, du bist ja ein Prachtexemplar von Skaal. Dein Fell und Federn schneeweiß; Körper wohl proportioniert; Flügel kräftig, nicht zu schwach… du ähnelst dem Skaal von Galan unserem Clanoberhaupt. So, genug geredet… ich pack dir jetzt den Wolf auf den Rücken.“ Rakim schnaubte einverstanden, außer in der Gestalt eines Drachens konnte er in einer tierischen Form nicht auf die Sprachen der Elfen und Zwerge zurückgreifen. Selbst in der Gestalt eines Drachens fiel es ihm sehr schwer zu sprechen. Mit ein paar kraftvollen Flügelschlägen hob sich Rakim vom felsigen Boden ab und verschwand zwischen den Felsen. Takuma packte sich seine Sachen auf den Rücken, dann wanderte er gemäßigten Schrittes in das Dorf zurück.

Die Sonne stand im Zenit, als Takuma die Tür seiner Hütte öffnete, in der Rakim wartete. Den Wolf hatte Rakim nahe dem Kamin auf ein paar Felle gelegt. Takuma stellte seinen Rucksack, den Bogen und den Köcher neben der Tür ab, trat dann näher an den Wolf heran und begutachtete ihn ein weiteres Mal. „Was machen wir jetzt mit ihm, Takuma?“ „Du hältst mal ganz schön die Füße still. Gib ihm einfach eine Weile seine Ruhe, Futter und Trinken und dem Kerl hier geht es bald wieder besser.“ „Klasse! Aber… was frisst ein Wolf? Du weißt, ich kenn mich mit Tieren nicht so aus…“ „Ein Wolf ist ein Raubtier, also frisst er Fleisch. Das heißt, ich muss mehr mitbringen… unsere Skaals können wir dem nicht verfüttern, die Skaals sind zu wertvolle Tiere.“ „Hm… was ist mit Mäusen, die könnte ich vielleicht sogar fangen.“ „Mäuse? Ein Wolf ist doch keine Katze! Der braucht was größeres, wie ein Hase, Reh, Hirsch oder so was. Meine Güte, du kennst dich ja absolut nicht mit Tieren aus…“ „Du bist der Jäger, Takuma, nicht ich.“, antwortete Rakim entrüstet. Takuma winkte ab, was hatte es damit zu tun, dass er der Jäger war? Ein Soldat musste sich doch auch mit Tieren auskennen? Immerhin waren die meisten Soldaten besser als Rakim. Takuma wurde so plötzlich aus den Gedanken gerissen, dass er Rakim verwirrt ansah. Rakim starrte den Wolf an. Takuma drehte sich zu dem Tier um. Der Wolf sah mit einem durchdringenden Blick direkt in Takumas Augen. Als der Wolf jedoch versuchte aufzustehen, fiel er gerade wieder auf die Felle. „Du bist noch zu schwach. Ruh dich aus, ich kümmre mich um dich.“ Wenn der Wolf Gefühle zeigen könnte, dachte Rakim, dann wäre er nicht sonderlich froh. Der Wolf drehte den Kopf weg und starrte in den Kamin, in dem aber kein Feuer brannte. Takuma erhob sich und durchwühlte seine Schränke nach etwas Trockenfleisch und einer niedrigen Schüssel. Rakim schickte er mit der Schüssel zum Dorfbrunnen, Wasser für den Wolf holen. Das Trockenfleisch schnitt Takuma derweil in kleinere Streifen, damit der Wolf diese besser fressen konnte. Viel von dem Trockenfleisch aß das Tier nicht, trank dafür umso mehr Wasser. Danach schien es ihm besser zu gehen. Er legte sich auf die Felle vor dem Kamin und schlief ein. Takuma fragte sich, woher der Wolf kam, während er ihn beobachtete. Rakim hatte sich in seine eigene Hütte begeben, da er seine Rüstung und Schwert für das Training in der Armee noch holen musste. Ohne seine Ausrüstung wäre der Offizier wieder wütend auf ihn und aus den Truppen wollte Rakim nicht ausgeschlossen werden. Für heute war Takuma nicht für die Jagd zuständig. Sie waren 10 Jäger im Dorf, die abwechselnd auf Jagd gingen, manchmal zu zweit, wenn sie es auf Bären oder andere größere Tiere abgesehen hatten. Manchmal trieben sich auch die Akujin im näheren Gebirge herum, dann gingen sie zu viert oder fünft auf Jagd, da die Akujin alles töteten, was ihnen über den Weg lief. Gnadenlose, eiskalte Killer, die nur den Dunklen Lords und Dämonenfürsten dienten. Gefühle kannten sie nicht, sie existierten nur um zu töten, die Dunkelheit der Nacht war ihr Reich. Takuma war glücklich, bis jetzt noch keine dieser Bestien gesehen zu haben. Obwohl er ein recht erfahrener Jäger war, fürchtete er sich vor diesen Kreaturen. Viele Jäger und Soldaten waren diesen ruchlosen Geschöpfen schon zum Opfer gefallen. Takuma schreckte aus seinen Gedanken auf. Er suchte nach dem Grund, fand aber keinen, der Wolf lag noch immer schlafend auf den Fellen, ansonsten befand sich keiner in der Hütte. Es musste wohl nur Einbildung gewesen sein. Doch kam es ihm so vor, als wäre ein anderer Elf in seiner Hütte. Dieses Gefühl wurde er einfach nicht los. Er suchte in der ganzen Hütte nach einem Eindringling, fand aber keinen. Er war mit dem Wolf alleine in der Hütte. War der Wolf etwa gar kein Wolf, sondern ein Elf? Die einzigen Elfen, die sich mit Magie in ein Tier verwandeln konnten, waren die des Byakuren Clans, doch diese wurden von den Akujin angegriffen und sollten alle dabei ums Leben gekommen sein. Somit konnte der Wolf doch kein Elf sein! Oder hatten vielleicht ein paar Vereinzelte den vernichtenden Angriff überlebt? Wenn dem so war, wo waren diese? Es gab keine Nachricht, dass jemand aus Byakuren überlebt hätte, kein einziges Wort. Das Einzige, was im Dorf Radanar bekannt war, war dass es die Akujin waren und keiner überlebt hatte. Takuma hatte dort zwar weder Freunde noch Verwandte gehabt, aber dennoch hatte es ihn zutiefst erschüttert. Rakim hatte es nicht sonderlich interessiert. Wie konnte er gegenüber anderen Elfen nur so verschlossen sein? Takuma fiel keine Antwort dazu ein, er verstand Rakim einfach nicht, egal was er tat. Er kannte Rakim schon seit 20 Jahren und trotzdem verstand er recht wenig von dessen Denkweise Keiner aus dem Dorf verstand Rakim wirklich, selbst das geduldige und weiße Clanoberhaupt Galan hatte seine Probleme damit ihn zu verstehen. Takuma verstand Rakim am Besten, das hatte Rakim ihm vor ein paar Jahren gesagt, als dieser die Ausbildung zum Soldaten begonnen hatte. Takuma hatte ein Jahr davor seine Ausbildung begonnen und bei den Jägern aufgenommen worden. Galan hatte Takuma gefragt ob es klug sei, Rakim den Wunsch Soldat zu werden, zu gewähren. Takuma hatte gesagt, dass er nicht wisse ob es klug sei, aber Rakim sich nichts sehnlicher wünsche als Soldat dienen zu können. Daraufhin hatte Galan mit dem Offizier gesprochen und Rakim durfte der Armee beitreten. Der Offizier der in Radanar stationierten Legion galt als recht ungeduldig und aufbrausend. Jeder ging ihm aus dem Weg, in Geschäften bediente man ihn nur ungern und in Tavernen war er erst recht nicht gern gesehen. Takuma ging diesem groben, ungehobelten Elf lieber aus dem Weg und vermied irgendwelchen Kontakt mit ihm. Ob Rakim beim heutigen Training wieder einen Rüffel bekam? Takuma konnte sich die beiden Dickköpfe nur zu gut vorstellen, jedoch würde Rakim den Kürzeren ziehen und sich geschlagen geben müssen, wenn er nicht der Armee verwiesen werden wollte. Bald war auch wieder das Hasedoki, dann würde die Legion wieder aufmarschieren und die Tempelwächterin Leyla Geschichten über Radanar erzählen, während alle um das Lagerfeuer saßen. Die Nacht zog über das Dorf und es wurde kühler in Takumas Hütte. Er entzündete in dem zentralen Kamin, der die gesamte Hütte zu heizen vermochte ein Feuer an und begab sich in den Schlafteil seiner Hütte. Morgen würde ein anstrengender Tag vor ihm liegen, Rakim musste auch schon im Bett liegen und sich von dem ermüdenden Training erholen. 

Takuma erwachte wie üblich kurz vor Sonnenaufgang, er ging in den Raum, in dem er den Wolf zurückgelassen hatte. Takuma sah sich nach dem Wolf um und schrie vor Entsetzen. Anstatt des Wolfs war ein Elf in seiner Hütte! Wie zur Hölle war das möglich? Er hatte doch die Tür von innen verriegelt, und Fenster waren alle zu weit oben in der Hütte angebracht worden, wie hatte der Elf dann hier eindringen können und wo war der Wolf? „Wer bist du und wie kommst du in meine Hütte?“ Der Elf sah Takuma leicht verwirrt an, bevor er antwortete: „Nun, Takuma, ich sollte wohl erklären was hier vor sich geht, nicht wahr?“ „Ja und woher kennst du meinen Namen?“ „Du erinnerst dich doch an den Wolf, den dein Freund gefunden hat… du bist in seinen Geist eingedrungen um herauszufinden, was mit ihm geschehen war. Der Wolf verriet dir seinen Namen… ist es nicht so?“ „Ja… woher weißt du das alles?“ Der Elf seufzte: „Weil ich der Wolf bin, mein Name ist Kael. Ich verdanke euch mein Leben…“ Alles, was der Elf bis jetzt gesagt hatte, war richtig und er klang zudem ehrlich. Takuma wusste nicht mehr, was er glauben sollte und was nicht. „Ich stamme vom Byakuren Clan ab. Das erklärt dir vielleicht, warum ich zu einem Wolf werden kann. Wo ich herkomme weiß ich, aber nicht… wo ich bin. Sagst du mir, wo ich hier bin, Takuma?“ „Du bist in Radanar… und es gibt da etwas, das du vielleicht noch nicht weißt.“ „Was? “ „Byakuren… existiert nicht mehr, die Akujin haben das Dorf zerstört, laut Berichten hat keiner überlebt. Du warst wohl nicht in Byakuren, als die Invasion von den Akujin begann, sonst wärst du nicht hier.“ „Das kann nicht sein! Wieso…!? Nanaki… Nagaki… ich werde diese Bestien töten, ich werde euch rächen!“ „Kael, das schaffst du nicht, viele Soldaten und Jäger sind den Akujin schon zum Opfer gefallen. Sei lieber froh, dass du noch lebst und behalte deine Freunde und Verwandten in Erinnerung und lass sie in deinem Herzen weiterleben.“ „Das ist leichter gesagt, als getan. Ich habe alle, die mir lieb und teuer waren, verloren. Ich will einfach Rache, diese Akujin sollen dafür büßen, was sie getan haben!“ „Ich verstehe dich ja, aber du solltest erst einmal wieder zu Kräften kommen und eine Weile hier in Radanar bleiben, ich werde mit Galan reden, dass du hier bist und aus Byakuren stammst, wird ihn sehr interessieren. Schlafen kannst du bei mir, das ist kein Problem.“ „Wieso tust du das alles für mich?“ „Keine Ahnung, ich tu es einfach. Willst du hier bleiben oder möchtest du zu Galan mitkommen? Es würde ihn sicher freuen.“ Kael stand inmitten des Raumes und sah unschlüssig von Takuma zur Hüttentür. Kael wollte das Oberhaupt aus Radanar nicht kränken, aber auch nicht von vielen neugierigen Elfen angestarrt werden. „Ist es unklug, nicht mit zugehen? Ich will nicht von vielen angestarrt werden, als sei ich ein Geist.“ „Das wirst du schon nicht, ein Elf ist ein Elf egal, woher du kommst, zudem ist es nicht weit bis zu Galans Hütte.“ Kael überlegte, er wollte eigentlich nicht hinaus, aber er wollte Radanars Clanoberhaupt auch nicht beleidigen. Was also tun? Ging er nicht mit, wäre Galan vielleicht beleidigt, würde er gehen, würden ihn viele Elfen anstarren. Jede der beiden Entscheidungen hatte Nachteile und zur Not entschied man sich für das kleinere Übel. „Nun, dann geh ich wohl besser mit dir, Takuma.“ Takumas Gesichtszüge, so schien es Kael, erhellten sich für einen kurzen Moment, bevor er die Tür öffnete und von Kael gefolgt ins Licht der Morgensonne trat. Das helle Licht der Sonne ließ Kael für ein paar Augenblicke erblinden. Die ganze Zeit in einer Höhle und dann als Wolf in Takumas Hütte hatte Kael Augen anfällig gegenüber dem Licht gemacht. Er blinzelte, bis er wieder richtig sehen konnte. Nie wieder wollte er Tage lang in einem Erdloch stecken egal, ob bewusstlos oder nicht! Um Kael und Takuma schien das Leben einfach weiter zugehen, nur wenige Elfen riskierten einen Blick auf den Fremden, bevor sie wieder ihren Tätigkeiten nachgingen. Vor einer Hütte blieb Takuma stehen: „Da sind wir schon.“ Er klopfte an die Tür und wartete auf eine Antwort aus dem Inneren der Behausung. „Tretet ein.“, rief eine Stimme aus der Hütte. „Also dann… komm mit, Kael.“, sagte Takuma und verschwand in der Hütte, kurz darauf folgte Kael ihm. Die Hütte war recht groß, jedoch gemütlich eingerichtet und gut beleuchtet. Ein aus Steinen errichteter Kamin beleuchtete und erwärmte die Hütte. Ein älterer Elf saß auf einem Fell vor dem Kamin und las in einer Schriftrolle. Die Augen und der Großteil vom Gesicht des Elfen wurden durch dessen lange, silbergraue Haare verdeckt. Im Feuerschein wurden die Augen des älteren Elfen bernsteinfarben, ob sie sonst dunkelbraun oder gar schwarz waren, konnte Kael nicht erkennen. Als Kael die Tür hinter sich schloss, drehte der alte Elf den Kopf zu ihm um und begrüßte den fremden Jüngling mit einem freundlichen Lächeln. „Wen bringst du mir denn hier mit, Takuma?“ Die Stimme des Alten besaß einen sanften Klang. „Das ist Kael. Rakim und ich fanden ihn gestern in einer Höhle, er hatte die Gestalt eines Wolfs. Er kommt aus Byakuren, Kael ist vielleicht der Einzige, der überlebt hat, Galan.“ „Das ist äußerst interessant. Komm näher, Kael.“ Kael gehorchte und trat ein paar Schritte vor. Takuma stand hinter Galan und wartete einfach ab. Galan betrachtete Kael und überlegte, bevor er sprach: „Nun, Kael, ich würde dich gerne eine Weile hier behalten. Du bist jederzeit in Radanar willkommen. Das alljährliche Hasedoki, ein Fest bei dem das ganze Dorf zusammen kommt, findet in ein paar Tagen statt. Ich bin mir sicher, dass Takuma und Rakim sich um dich kümmern werden.“ Galan sah über die Schulter zu Takuma und schien eine Antwort zu erwarten. „Natürlich, Galan. Es gibt keinen Grund ihn abzuweißen und ihm Obdach zu verwehren. Wenn er sich nützlich machen will, kann er mir beim Jagen helfen.“ „´Nun, was sagst du dazu, Kael?“ Kael starrte leeren Blickes in die Flammen und ließ sich etwas Zeit, bevor er sich entschied. Als sein Entschluss feststand sah er Galan in die Augen. „Ich möchte eigentlich nur wieder nach Hause, aber dieses Angebot werde ich annehmen. Wenn Takuma jagen geht, werde ich ihn in meiner Wolfsgestalt begleiten. Wenn ich mich sonst noch irgendwie nützlich machen kann, sagt es mir bitte.“ „Natürlich, aber überfordere dich nicht. Du bist hier zudem ein Gast, kein Elf der hier lebt und arbeitet.“ „Ja schon, aber ich will nicht einfach untätig herum sitzen und mich von euch durchfüttern lassen.“ „Das ist verständlich“, mischte sich Takuma ein: „aber es reicht, wenn du mir beim jagen hilfst, das ist hier nämlich nicht einfach.“ Kael wollte etwas erwidern, entschied dann aber es doch nicht zu tun, da er eh nicht gewinnen konnte. „Na dann ist doch alles geklärt. Takuma, du und Kael könntet euch doch bei Skya nützlich machen, sie könnte Hilfe gebrauchen.“ „Ja, Galan. Kael, kommst du oder bist du da fest gewachsen?“ Takuma stand bereits in der offenen Tür und warf Kael einen fragenden Blick zu. „Ich komme ja.“, erwiderte Kael brummig, bevor er Takuma nach draußen folgte. Die Sonne stand hoch am Himmel, erwärmte angenehm das Tal, während Takuma Kael durch die Straßen des Dorfes führte. Vor einem Schaufenster blieb Takuma stehen, sah hinein und winkte jemanden zu sich. Heraus kam eine junge Elfe, die Takuma freundlich umarmte. Ihr schwarzes, Ellbogen langes Haar fiel über ihre Schultern, mit tiefgründigen blauen Augen musterte sie den fremden Elfen, bevor sie auch ihn grüßte. „Wer ist er, Takuma?“, fragte die Elfe zögernd, ohne den Fremden auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. „Nun, das ist Kael, er kommt aus Byakuren. Kael, das ist Skya unsere beste Händlerin. Bei ihr findest du so gut wie alles, was du brauchst.“ „Du bist also Kael. Freut mich, dich kennen zu lernen.“ „Ganz meinerseits.“, antwortete Kael. Diese Elfe, das spürte er, war einfach etwas Besonderes. Die Aura, die sie umgab war einzigartig, so etwas hatte Kael noch nie gesehen. Doch wieso die Aura von Skya so einzigartig war, konnte er nicht sagen. Vielleicht wusste Galan etwas darüber. „Hilfst du jetzt mit oder was? Kael, noch da?“ „Ah… wie?“ „Ob du mit hilfst oder nicht… Alles klar mit dir?“ „Ja, ich komm. Ich war nur in Gedanken, mehr nicht.“ „In Gedanken? An was hast du gedacht, Kael?“ „Das geht dich doch nichts an, Takuma. Manchmal glaube ich, dass Rakim dich mit seiner Neugier angesteckt hat. Wie auch immer, ihr könntet mir wirklich helfen. Heute sollte eine Lieferung aus Brodir kommen. Da sich Akujin im Gebirge herumtreiben, könnte es für den Boten zu gefährlich sein. Ich möchte, dass ihr euch Richtung Brodir begebt, den Boten abfangt und ihm sicheres Geleit hierher gebt. Nehmt von mir aus Rakim noch mit, mit ist das egal. Je mehr ihr seid, desto sicherer ist es für euch.“ „Was ist mit mir, Skya? Wohin soll es schon wieder gehen?“, Rakim stand mit verschränkten Armen hinter Takuma und sah die junge Elfe fragend an. „Richtung Brodir, einen Boten abfangen und ihn her bringen, am Besten in einem Stück und unversehrt.“, antwortete Takuma, bevor Skya auch nur ein Wort sagen konnte. „Wann geht es los?“, wollte Rakim sogleich wissen. „In einer Stunde, am Ostausgang des Dorfes, das ist noch der schnellste und sicherste Weg. Geeignet für Händler, Boten und Wanderer.“ „Also ein gutes Jagdrevier…“, sagte Kael leise, mehr zu sich als zu den Anderen. „Jagdrevier?“, Takuma drehte sich wieder Kael zu: „Was meinst du mit Jagdrevier?“ „Wo viele Elfen passieren, haben es Bären; Wölfe und vor allem Akujin leicht, ein Opfer zu finden. Wir müssen sehr vorsichtig sein. Ich begleite euch als Wolf, so kann ich die Akujin leichter wittern, bevor sie uns finden.“ Takuma nickte zustimmend, bevor er sich umdrehte und zu seiner Hütte lief, Ausrüstung und etwas Proviant zusammenpacken. Kael ließ sich von Skya zum Schmied führen, bei dem er einen Rapier, ein einhändiges und schmales Schwert, in Auftrag gab. Kael unterhielt sich lange mit Skya, er wollte einfach mehr über sie wissen, den Grund für ihre so einzigartige Aura finden. Er vertiefte sich so sehr in ihr Gespräch, dass er den Auftrag fast vergessen hätte. „Ich muss los, sonst komm ich zu spät und die gehen vielleicht ohne mich… Bis dann, Skya.“ Die Elfe winkte ihm kurz hinterher, bevor sie die Tür zu ihrem Laden öffnete und dahinter verschwand. 

Du kommst spät, Kael. Später als Rakim, was eigentlich unmöglich ist.“ „Tut mir ja leid, Jungs, aber ich bin mit Skya zum Schmied, bei dem ich einen Rapier in Auftrag gegeben habe und hab dann noch mit ihr geredet und dabei leider die Zeit vergessen:“ „Schon gut, Mann. Ich müsste mich ja laufend entschuldigen, wenn ich wie du wäre…“, erwiderte Rakim lachend und marschierte los. Takuma und Kael folgten ihm wortlos. Einige Meter nachdem sie das Dorf verlassen hatten, blieb Kael stehen. „Wartet, ich verwandle mich jetzt.“ Kael begann zu glühen, bis sein gesamter Körper eine einzige Lichtgestalt war und sich vor Takumas und Rakims Augen verformte und die Form eines Wolfs annahm. Das schwarze Fell glänzte im Licht der Sonne. Kael tapste den beiden Elfen hinterher, konzentrierte sich auf den Geruch der Akujin und die Geräusche der Umgebung. Gefahren waren keine in der Nähe, von den Akujin fehlte jede noch so kleine Spur. 

Als die Sonne hoch am Himmel stand, legten sie am Wegrand eine Rast ein. Kael blieb wie er war und Takuma stellte ihm eine Schale mit Wasser hin, sodass er wenigstens etwas trinken konnte. Auf einmal stahl sich Kael der Geruch von Blut und verwesendem Fleisch in die Nase. Die Akujin? Das konnten sie nicht sein, er konnte sie nicht hören, die Pranken, die auf dem Boden aufschlagen müssten, rasselnder Atem, nichts von dem konnte er hören. Er stand auf und folgte dem Geruch. Als Elf wäre ihm das nicht aufgefallen. Es konnte der Bote sein, genauso gut aber auch ein Reh, das von einem Bären gerissen worden war. Kael stand vor einer Buschreihe, direkt dahinter musste genau das sein, was diesen Geruch verströmte. Entschlossen tappte er auf die Büsche zu, er musste wissen, was dort lag. Als Kael den Kopf durch einen der Büsche steckte, bot sich ihm eine erschreckende Szenerie: Ein Körper, in einer Blutlache liegend, mit abgetrenntem Kopf, der halb zerquetscht zwei Meter weit weg lag. Überall lagen Gegenstände verstreut auf dem Boden. Das musste der Bote sein! Deswegen war er am Morgen nicht da. In Kael machte sich eine schrecklich erdrückende Übelkeit breit. Er hastete zu den Anderen zurück, um ihnen diese Gräueltat zu zeigen. Kael packte Takuma an der Hose, verletzen wollte er ihn hierbei ja nicht und zerrte wild an ihm. „Was ist, Kael? Sind wir in Gefahr?“, fragte Takuma hektisch und versuchte sich aus dem Griff des Wolfs zu befreien. Es war vergeblich, Kael ließ einfach nicht los und zerrte ihn mit sich fort, Rakim folgte den Beiden schweigend, innerlich hätte er vor Lachen platzen können. Als er jedoch den toten Elfen sah, wich jegliche Freude aus seinem Innern. Rakim sah wortlos zu Takuma, der starren Blickes dastand, die Farbe war aus seinem Gesicht gewichen und der Schock nahm diesen Platz vollkommen für sich ein. Kael hatte sich vor Takuma hingesetzt und sah getrübten Blickes ebenfalls den Toten an. Kael begann wieder zu glühen und verformte sich in seine normale Gestalt zurück. „Was sollen wir mit dem armen Kerl machen? Einfach liegen lassen können wir ihn nicht!“, fragte Kael leise und sah Takuma an. „Ihn verbrennen können wir nicht, er kommt nicht aus Radanar, wir müssen ihn begraben.“, erwiderte Takuma und ging näher an den Toten heran: „Kannst du sagen, was ihn getötet hat, Kael?“ „Naja, ganz sicher bin ich mir noch nicht, aber der Schädel liegt knapp zwei Meter vom Körper entfernt, für einen Bären war der Hieb zu stark, bei einem Drachen wäre außer Blut und den Sachen nichts mehr hier, bleibt nur noch eine einzige Kreatur übrig, es muss ein Akujin gewesen sein. Das alles muss vor ca. zwei Tagen passiert sein, starke Leichenstarre, das volle Ausmaß halt.“ „Aber warum? Warum musste gerade er sterben?“, fragte Rakim aufgebracht, mit den Nerven am Ende. „Das kann dir keiner sagen, es war sein Schicksal. Wir müssen es akzeptieren, ob wir wollen oder nicht. Takuma, geh mit Rakim nach Radanar zurück, sag Skya, was passiert ist und dass ich mit ihren Waren nachkommen werde. Ich werde ihn begraben, überlasst das mir.“, sagte Kael in trockenem Tonfall. Takuma verließ diesen Ort des Schreckens wortlos, wobei er Rakim hinter sich herzog. Einige Meter von Kael und dem Toten entfernt riss sich Rakim von Takuma los. „Was soll das? Hör auf mich wie ein Kleinkind hinter dir herzuziehen! Ich bin Soldat, kein 8-jähriger Junge.“ „Das nicht, aber einen Toten hast du bisher nicht gesehen. Ich hingegen begegne dem Tod jedes Mal, wenn ich auf der Jagd bin.“ „Was soll das? Hör auf mich zu bemuttern!“ „Komm jetzt, ich will mich nicht mit dir zoffen. Wir müssen uns beeilen, Skya muss das so schnell wie möglich erfahren. Kael kommt schon zurecht.“ Takuma wusste, was Rakim meinte, hatte aber andere Dinge, die ihn beschäftigten. Er wusste ebenso, dass er Rakim nicht herumkommandieren konnte, was er auch nicht wollte, manchmal jedoch nicht unumgänglich war. Warum konnte Rakim nicht auch einmal verstehen, was er meinte? Takuma schnallte sich seinen Rucksack auf den Rücken und ließ Rakim mitten auf dem Weg ohne ein Wort stehen und marschierte nach Radanar zurück. Rakim sah seinem engsten Freund hinterher, Wut und Traurigkeit machten sich in ihm breit. Gab Takuma denn nie nach? Immer hatte nur Takuma Recht, er war noch nie zuvor einem Toten begegnet oder hatte gesehen wie jemand starb. Heute hatte sich das geändert, er hatte einen Toten gesehen. Jeden Tag starb irgendjemand auf der Welt. Amlugdor war riesig, selbst heute waren noch viele Teile Amlugdors, ihrer Welt, unerforscht. Ob er Kael als seinen Freund bezeichnen konnte wusste Rakim wirklich nicht, dafür kannte er ihn noch nicht lange genug. Jetzt hatte er nur drei Möglichkeiten: Er blieb bei Kael; er lief Takuma hinterher nach Radanar oder er ging nach Brodir. Er tat das Gleiche wie immer, er schnappte sich seinen Rucksack und eilte Takuma hinterher. Was sollte er schon groß in Brodir machen oder Kael helfen können? Als Rakim seinen Freund eingeholt hatte, gingen sie wortlos zusammen weiter. Zur gleichen Zeit hatte Kael endlich alle Gegenstände zusammen gesammelt, auf einen Haufen gelegt und begonnen das Grab für den Toten auszuheben, dabei verließ er sich auf seine Wolfsmagie, da man mit Pfoten schneller buddeln kann als mit elfischen Händen, bei Drachenmenschen und Bestienelfen, die halb Tier waren, sah das etwas anders aus. Diesmal kostete es ihn viel Energie, seine Wolfsgestalt aufrecht zu erhalten, er machte pausenlos weiter. Kael sank für ein paar Minuten zusammen, als er mit dem Grab fertig war. Bevor er den Toten in das Grab ziehen und zubuddeln konnte, verließ ihn seine Kraft und er saß in seiner elfischen Gestalt am Boden, keuchte vor Erschöpfung und hatte die Augen geschlossen. Er hatte es doch fast geschafft! Warum musste ihn gerade jetzt seine Kraft im Stich lassen? Kael wusste, dass seine Magie schnell verbraucht war, wenn er sich zu oft verwandelte, weil sich seine Magie nur sehr langsam regenerierte. Das hatte er vorhin wohl nicht mehr bedacht und sich zu oft hintereinander verwandelt. „Ich muss viel vorsichtiger sein, wenn ich Magie anwende.“, sagte er leise zu sich selbst. Kael stemmte sich auf die Beine und lief leicht wackelnd zu dem Toten hinüber. Er musste sich beeilen, das wusste er. Doch wie, wenn ihn seine Kraft verließ? Plötzlich wurde alles um ihn herum völlig dunkel und er stürzte mit einem Stöhnen zu Boden.

Skya legte die Hand auf die Türklinke ihres Ladens, stoppte jedoch abrupt in der Bewegung. Irgendetwas war eigenartig, es lag etwas Angespanntes in der Luft. Jemand beobachtete sie, das konnte Skya spüren. War Kael in Gefahr? Takuma und Rakim waren vor vier Stunden bei ihr gewesen und hatten ihr über den Boten Bericht erstattet. Wo steckte Kael denn nur? Takuma und Rakim hatten ihr erzählt, dass Kael zurückgeblieben war, um den Boten zu bestatten. Als sie sich umdrehte, weil sie nach Kael suchen wollte, sah sie einen schwarzen Wolf mit gelben Augen auf sie zu wanken. Instinktiv griff sie nach einem Kunai in ihrer kleinen Tasche, die sie sich um den linken Oberschenkel gebunden hatte. Kurz bevor der Wolf sie jedoch erreichte sank er in sich zusammen und blieb reglos auf dem Boden liegen. Skya nahm all ihren Mut zusammen und trat näher an den Wolf heran. Sie war nur noch wenige Schritte von dem Tier entfernt, als es zu glühen begann und sich in einen Elfenkörper verformte. Skya erschrak, als sie den vor ihr liegenden Elfen erkannte. „Nein, das ist doch nicht möglich! Bitte nicht…!“, sie fiel neben dem reglosen Körper auf die Knie. Das durfte einfach nicht sein! „Warum? Sag doch was, bitte! Mach die Augen auf, Kael!“ Er blieb stumm, atmete regelmäßig, wenn auch nur schwach.

Als Skya wieder einen klaren Verstand besaß, saß sie im Hinterzimmer ihres Ladens und hatte zu ihrer Verwunderung Kaels Kopf auf ihrem Schoß. Der junge Elf war immer noch bewusstlos. Skya wusste nicht einmal mehr, wie sie es angestellt hatte, Kael herein zu tragen, da ihr niemand geholfen haben konnte. Sie hörte leise die Vögel auf der Straße zwitschern, ansonsten war es bis auf dem rasselnden Atmen Kaels still. Was war mit ihm geschehen, bevor er zusammenbrach? Sie sah auf sein Gesicht hinab, das in ihrem Schoß lag. Sie strich ihm sanft eine Strähne seines tiefschwarzen Haares aus dem Gesicht, woraufhin er die Augen öffnete und ihr durchdringend in die Augen sah. „Wo bin ich hier, Skya?“ „Im Hinterzimmer meines Ladens, du bist vorhin zusammengebrochen.“ Sie spürte, dass es ihm missfiel, ohnmächtig geworden zu sein. Er setzte sich auf und sah sie wartend an, als ob er nur darauf warten würde, dass sie ihn mit Fragen zuschütten würde. Doch keine einzige ihrer Fragen, die ihr auf der Seele brannten, verließ ihre Lippen, stattdessen zog sie ihn in ihre Arme und flüsterte in sein Ohr: „Ich dachte schon, ich hätte dich verloren.“ Vor Entsetzen riss er sich von ihr los und wich von ihr zurück. Hatte sie wirklich gesagt, dass sie Angst um ihn hatte? Kael war verwirrt, niemals zuvor hatte eine Elfe das zu ihm gesagt. Als sie wieder dicht vor ihm stand und ihn erneut in die Arme schließen wollte, wich er vor ihr zurück und rannte augenblicklich aus dem Laden heraus. Kael lief einfach blind von seinen Füßen getragen durch Radanar, verwirrt und ohne Ziel. Nach einer Weile blieb er stehen und sah sich um, unweit von ihm erkannte er die Schmiede. Zielstrebig ging er auf das Gebäude mit dem Amboss und dem Schleifstein vor der Tür zu. Hinter dem Schleifstein, neben der Tür stand ein großes Wasserfass, das wusste Kael noch. Der Schmied selbst stand am Amboss und hieb auf einen glühenden Stahlrohling ein, der langsam die Form eines Langschwertes annahm. Das laute klirrende Geräusch war Kael nur bekannt, er war damit aufgewachsen. Sein eigener Vater hatte in Byakuren, seiner Heimat, die besten Schwerter geschmiedet und diese auch an die Bewohner, der großen Hauptstadt der Völker, verkauft. Kael hatte Antemanea, die Hauptstadt, bisher nur ein Mal gesehen, als sein Vater ihn mitnahm. Eine brummende Stimme riss Kael aus den Gedanken, es war der Schmied. „Kommst du wegen deinem Rapier, Kael?“ „Eigentlich weiß ich gerade nicht einmal, wie ich überhaupt hierher komme.“ „Wie meinst du das?“, fragte der Schmied verwirrt. „Ach, das ist nicht wichtig. Ist der Rapier denn fertig?“ Der Schmied schüttelte den Kopf und sagte: „Nein, komm Morgen wieder, dann ist er garantiert fertig. Ach ja, Skya hat mir vorhin erzählt, dass du für sie nach einem Boten gesucht hast, der heute Morgen hätte ankommen sollen. Ist er hier?“ „Nein, er ist tot, wahrscheinlich ein Opfer der Akujin“, antwortete Kael trocken. „Das darf doch nicht wahr sein! Verdammte Kreaturen der Finsternis… Am Besten du gehst zu Galan, er muss davon erfahren. Der Bote war wichtig für Radanar.“ Noch bevor der Schmied seinen Satz beendet hatte, war Kael bereits einige Schritte von ihm entfernt, auf dem Weg zu Galan. 

Unsicher blieb Kael vor der Hütte Galans stehen. Sollte er das wirklich tun? „Komm rein, Kael. Ich weiß, dass du vor meiner Tür stehst.“, erklang leise die sanftmütige Stimme Galans aus dem Innern. Kael gehorchte, trat langsamen Schrittes ein und schloss die Tür hinter sich wieder. „Woher wusstet ihr, dass ich vor eurer Hütte stand?“ Galan sah ihn schmunzelnd an: „Setz dich.“ Galan zeigte auf ein Bärenfell, das Galan gegenüber lag. Zögernd setzte sich Kael hin und Galan ergriff erneut das Wort: „Nun, wenn du so lange lebst wie ich, Kael, entwickelst du mitunter eigenartige Fähigkeiten. Ich zum Beispiel spüre, wenn sich jemand in meiner Nähe befindet. Du besitzt bereits jetzt eine ähnliche Fähigkeit, doch ist mir nicht klar, was es ist.“ „Ich sehe manchmal die Aura, also den Geist, einer Person. Ich mache das zwar eher unbewusst, aber es passiert einfach, ich kann es nicht kontrollieren.“ „Noch nicht, aber irgendwann kannst du es bewusst oder dauerhaft einsetzten, hab aber keine Scheu, von deinem Talent Gebrauch zu machen. Es wird dir noch nützen.“ „Wie meint ihr das?“ „Das wirst du früh genug selbst erkennen, junger Kael. Dein Vater, Luin, war genau wie du, bevor er mit dir nach Byakuren ging.“ Kael starrte Galan an, er hatte nicht gewusst, dass sein Vater aus Radanar kam. Nie hatte Luin, der erfolgreiche Schmied Byakurens über seine Herkunft erzählt. „Luin besaß die Gabe der Voraussicht, er ließ eine Schatulle bei mir zurück, damit ich sie dir gebe, wenn du durch des Schicksals Hand zu uns gelangen würdest. Dein Vater wusste, was geschehen würde und hat mit Absicht diese Schatulle bei mir zurückgelassen. Er sagte auch, dass du einen >Schlüssel< für die Schatulle bei dir haben würdest, doch hat diese kein Schloss.“ Galan stand auf, lief in ein Nebenzimmer und kehrte mit einer recht kleinen Holzschatulle zu Kael zurück. „Nimm sie, sie gehört dir, Kael. Wann du sie öffnest liegt allein bei dir. Tu was du für weise hältst.“ Kael betrachtete die Schatulle in seinen Händen, feine Schnitzereien waren eingearbeitet doch ein Schloss war wirklich nicht zu erkennen. Was sollte er mit ihr tun, um sie zu öffnen? Kael konnte sich keinen Reim auf die alte Holzschatulle seines Vaters machen. „Das ist nur ein alter Holzklotz mit Verzierungen.“, sagte Kael verärgert und legte die Schatulle beiseite. „Sei mit deinem Urteil nicht zu schnell, Kael. Nimm sie mit dir, es gibt einen Weg, wie du sie öffnen kannst, doch das werde ich dir nicht verraten.“ „Ihr wisst, wie sie zu öffnen ist?“, fragte Kael verwirrter denn je. „Ja, ich hatte genug Zeit, um darüber nachzudenken. Nimm dir Zeit, such dir ein stilles Fleckchen und denk darüber nach. Nimm aber die Kiste… verzeih, Schatulle mit dorthin.“, erwiderte das Clanoberhaupt Radanars. Kael nickte, während er wieder die Schatulle betrachtete. „Du solltest gehen, jemand sucht bereits nach dir, Kael.“, sagte Galan bedächtig mit einem Blick auf die Tür seiner Hütte. „Wer sollte mich schon suchen…“, flüsterte Kael grimmig an sich selbst gewandt, doch Galan verstand jedes einzelne Wort und er empfand Mitleid gegenüber diesem jungen Elfen, der nicht einmal volljährig war, wenn man in Elfenjahren rechnete. Wenn er auch noch so jung war, ruhte auf ihm eine schwere Bürde, die er alleine tragen musste, das wusste Galan bereits. Schon Luin musste gewusst haben, dass dieser Junge etwas Besonderes war, doch woher? Allein Leyla, die Tempelwächterin, hatte Zugang zu den heiligen Prophezeiungen, die in den Katakomben des alten Tempels verborgen waren. Luin hatte hier gelebt und erst als Kael ein Jahr alt war, war Luin mit seinem Sohn nach Byakuren gegangen. Wer die Mutter dieses jungen Elfen war, wusste Galan bis heute nicht. Vor vierzehn Jahren hatte es Galan aufgegeben, herauszufinden wer Kaels Mutter war. Wer konnte noch wissen, welche Elfe vor 25 Jahren schwanger war? So etwas hatte sich zu dieser Zeit Keiner gemerkt und ob Luin überlebt hatte, war auch so eine Sache. Kael hatte glücklicherweise eine enge Felsspalte entdeckt, in der die erbarmungslosen Akujin nicht hinein gepasst hatten und er somit dem Tod nur um Haaresbreite entgangen war. Alles Rätsel des Schicksals, dachte Galan, während er Kael beobachtete, der sich angestrengt die Schatulle seines Vaters ansah. Was hatte Luin über das Schicksal seines Sohns gewusst? „Kael?“ „Ja, was ist?“, fragte Kael, der für einen kurzen Moment von der Schatulle aufsah. „Es ist an der Zeit, dass du gehst. Vergiss nicht, die Schatulle mitzunehmen. Außerdem sucht immer noch jemand nach dir.“ „Ja, es ist wohl besser, wenn ich gehe. Verzeiht, wenn ich euch gestört habe.“, sagte Kael, griff nach der Schatulle und verließ die Hütte des Clanoberhaupts.

In Gedanken versunken lief Kael an Skya’s Laden vorbei. Als er realisierte, wo er gerade war, lief er zum Laden zurück und sah hinein, doch alles war in Dunkelheit gehüllt, sie war wohl nicht mehr im Laden. Doch wo war sie? Kael hatte Fragen, die er Skya unbedingt stellen musste. War vielleicht sie es, die ihn die ganze Zeit suchte? Kael wusste nicht mehr, was er tun sollte. Genau so wenig wusste er, wo Skya stecke, an die er so viele Fragen hatte. Wieso aber sollte ausgerechnet sie nach ihm suchen? Er war doch nur ein ganz gewöhnlicher Elf, nicht anders als Takuma oder Rakim! Plötzlich fielen ihm Skya’s Worte wieder ein, bevor er Hals über Kopf aus ihrem Laden gerannt war. Wie hatte sie das gemeint? Kael war verwirrt, zu allem Überdruss hatte er auch noch eine alte Schatulle seines Vaters am Hals. Er wusste nicht, wohin er gehen sollte. Einmal mehr, wo er seine alten Freunde Nanaki und Nagaki vermisste… Ob sie die Flucht vor den Akujin überlebt hatten? Kael hoffte es sehr, er wollte die Beiden wieder sehen. Nagaki hätte ihm sicherlich mit der Schatulle helfen können, obwohl er erst 28 war, war er für einen Drachenmenschen sehr weise und hatte für fast jede Situation einen Rat. Nanaki hingegen war ein kleiner Wildfang, mit seinem älteren Bruder Nagaki nicht zu vergleichen und ähnelte Rakim sehr. Kael bemerkte die Elfe, die vor ihm stand erst, als sie ihn an den Schultern packte und ihn damit aus seinen Gedanken riss. Er stand unweit von Skya’s Laden, die Schatulle seines Vaters unter dem linken Arm und starrte die junge Elfe vor sich an. Es dauerte einige Momente, bis er die Elfe vor sich erkannte. „S… Skya?“ „Kael, wo warst du? Ich hab dich gesucht! Vorhin hab ich etwas gesagt, dass du vielleicht… falsch verstanden hast:“, sagte sie leise, mit gesenktem Blick. „Schämte sie sich vielleicht deswegen?“, fragte sich Kael im Stillen und sah die junge Elfe, die ungefähr so alt war wie er selbst, fragend an. „Naja“, begann sie zögernd: „was ich vorhin gemeint hab, ist eigentlich, dass ich dich wie einen Freund ansehe und naja, als Händler hat man nur wenige Freunde, die sich für die Person und nicht für das Geld desjenigen interessieren. Ich habe Angst davor, so einen Freund zu verlieren. Verstehst du?“ Kael lief leicht rosa an, weil er sich schämte, Skya’s Worte komplett falsch verstanden zu haben. „Ich hab dich wirklich falsch verstanden, Skya. Es tut mir Leid…“, flüsterte Kael, wobei er noch roter wurde und Skya willkürlich anfing zu lachen. Kael wurde noch roter im Gesicht. Es dauerte einige Minuten, bis Skya ihr Lachen unterdrücken konnte und Kael das Rot wieder aus seinem Gesicht wich. „Ich muss wieder in meinen Laden… bist du am Hasedoki auch noch hier?“ „Ja, ich weiß noch nicht, wie lange ich hier bleiben werde, aber dieses… Hasedoki lasse ich mir nicht entgehen. Aber wieso willst du das wissen?“ „Naja, gewöhnlich erscheint man am Hasedoki nicht alleine…“, sie lief leicht rötlich an. Kael ahnte, worauf sie hinaus wollte. „Und?“, fragte Kael, als ob er nicht die geringste Ahnung hatte, was sie wollte. „Ich wollte dich fragen, ob DU mit mir zum Hasedoki gehst…“, sagte Skya zögernd, Verlegenheit lag in ihrer Stimme. „Warum eigentlich nicht?“, dachte Kael und sah kurz in den wolkenlosen Himmel auf, überlegend, welche Worte er benutzen sollte. „Ähm, ich kenne mich mit diesem Fest ja nicht aus, Skya. Ich denke, dass du das weißt, aber es währe mir eine Ehre, mit dir dorthin zugehen.“, sagte Kael lächelnd. Skya erwiderte sein Lächeln und flüsterte ihm ein Danke ins Ohr, bevor sie in ihrem Laden verschwand. Kael sah auf die jetzt beleuchteten Waren in dem Schaufenster, bevor er sich dazu entschloss, sich ein ruhiges, abgeschiedenes Fleckchen zu suchen und über die Schatulle, die er von seinem Vater geerbt hatte, in Ruhe nachzudenken. Das Hasedoki war erst in ein paar Tagen und er hatte rein gar nichts zu tun, außer über das Rätsel der Schatulle nachzudenken.

 
   
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Über mich  
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